ZAP…und, was hat es gebracht?

Geschrieben von Bea Mai 26th, 2009 und gespeichert unter Archiv, EMA KREATIV, EMA LIFE, Geistreich, Natur wissen, Politisch und Sozial. Erhalten Sie alle Kommentare über RSS 2.0. Hinterlassen Sie zu diesem Eintrag eine Nachricht

snc103271

Zentrale Abschlussprüfungen am Ende der Stufe 10 – Was haben wir davon?

Zur Sicherung gemeinsamer Standards, die nachvollziehbar und überprüfbar sind, stellen zentrale Prüfungen am Ende der Klasse 10 ein wichtiges Instrument dar, denn sie

  • sorgen für größere Transparenz hinsichtlich der gestellten Anforderungen,
  • schaffen eine bessere landesweite Vergleichbarkeit dieser Leistungen,
  • sorgen für mehr Gerechtigkeit bei der Abschlussvergabe und
  • fördern damit auch die Leistungserziehung in der Schule.

Der einzelnen Schule geben sie wichtige Aufschlüsse über Qualität und Erfolg des Unterrichts in den Prüfungsfächern. Dem Land geben sie insgesamt wertvolle Hinweise über die Leistungsfähigkeit des Schulsystems.

Quelle: www.schulministerium.nrw.de

http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulsystem/Qualitaetssicherung/Standardsetzugg1/Pruefungen10/FAQ_Abschluss10/Einfuehrung/index.html

Das sagt das Schulministerium NRW über die ZAPs, die Zentralen Abschlussprüfungen, die seit dem Schuljahr 2006/07 auch in NRW von allen Schülerinnen und Schüler am Ende der Klasse 10 geschrieben werden müssen. Sie machen 50% unserer Gesamtnote in Mathe, Deutsch und einer Fremdsprache aus. Aber gerade deshalb – was bringen sie uns eigentlich? Sorgen sie wirklich für Transparenz? Bringen sie mehr Gerechtigkeit nach Nordrhein-Westfalen? Oder machen sie deutschen Schülern einfach nur das Leben schwerer? Ein Erfahrungsbericht soll helfen, das herauszufinden. Vor, während und nach den Prüfungen wurde alles festgehalten. Also, auf die Plätze, fertig – Prüfung!

12.5.2009

Der Deutsch-Termin. Vor den Osterferien schon sollten wir uns ein Übungsheft anschaffen, seit mehreren Wochen tun wir nichts anderes mehr als darin zu arbeiten und das Wort ZAP hängt allen zu den Ohren raus. Um 9:00 geht’s los, ab dann haben wir fast drei volle Stunden Zeit, all unser Deutschwissen auf Papier zu bannen. Es fängt an mit dem ersten Teil, der für alle Schulformen gleich ist, eine halbe Stunde maximal um ein paar Kreuzchen und zwei kurze Texte zu notieren. Das ganze ist höchst anspruchsvoll, der Text ist in 14 Abschnitte unterteilt, die alle höchstens zwei Sätze lang sind und jede Frage bezieht sich auf genau einen Abschnitt. Der inflationäre Handy-Gebrauch von japanischen Jugendlichen – ein hoch interessantes und allgemein sehr medienpräsentes Thema – wird in seine Einzelteile zerlegt. So gut wie alle geben vor Ende der halben Stunde ab.

Es folgt der gymnasial-orientierte Teil, der aus 2 Wahlthemen besteht. Entweder die Analyse eines Romanauszugs oder eine Erörterung zum Thema, ob eine Klassenfahrt von Eltern begleitet sein sollte oder nicht. Eine Liste von Argumenten ist selbstverständlich beigelegt. Allmählich kommen die ersten Fragen auf: Wozu die ganzen Vorbereitungen? Warum haben wir ein 50-seitiges Übungsheft durchgekaut?

14.5.2009

Fremdsprachen sind angesagt! Bis auf einen verschwindend kleinen Teil haben sich alle Schüler für die Prüfung in Englisch entschieden. Um 9:00 Uhr wird die CD für die Hörverstehen-Aufgabe aufgelegt. Eine halbe Stunde lang werden Lückentexte ausgefüllt und Multiply-Choice Fragen beantwortet. Dann wieder der gymnasiale Teil: Jamie Oliver und seine Healthy-food-in-English-schools-campaign sind das Thema. Argumente herausarbeiten und darstellen, welcher Eindruck beim Leser entsteht – obwohl die Zeit knapper bemessen ist als in Deutsch kommen alle gut hin und auch die Englisch-Vorbereitungen sind im Nachhinein sehr ausführlich ausgefallen.

19.5.2009

Mathe steht an. Nach einiger Verzögerung werden wir mit zwei Klassen ins Foyer gesetzt. Der Schultyp-übergreifende Teil ist kaum erwähnenswert. Dann müssen wir an teilweise sogar sehr anschaulichen Beispielen Wahrscheinlichkeits- und Zinsrechnung, Parabelwissen und Formelanwendung  beweisen. Im Nachhinein: Wenn alle Mathe-Arbeiten so wären – wir hätten durchgehend tolle Noten! Und auch hier wäre mein Urteil: Viel Lernaufwand für fast nichts. Von anderen Klassen und Schulen hört man zum Beispiel, dass überhaupt nicht vorbereitet wurde und trotzdem niemand ein Problem hatte.

„Und was lernen wir daraus?”

Die Prüfungen sind geschafft und alles wartet auf den 4. Juni – dann werden die Noten bekannt gegeben. Aber ein paar Fragen bleiben doch noch. In dem oben zitierten Text wird nicht ein einziges Mal das Wort „Schüler” erwähnt – was also haben wir von dem Aufwand außer Stress? Das Ministerium schmeißt mit  Worten wie „Gestaltungsspielraum”, „Leistungserziehung” und „Qualitätssicherung” um sich. Die Lehrer seufzen und teilen uns das nächste ZAP 10-Vorbereitungsblatt aus, und müssen außerdem dafür sorgen, dass zum Beispiel in Deutsch jeder Schüle den 13 Seiten langen Prüfungsbogen, sowie mindestens 20 Seiten Konzeptpapier bekommt.

Wieso? – Weshalb? – Warum?

Die Idee, eine zentrale Leistungsüberprüfung zu erfinden, die zeigt, wo wir eigentlich in Sachen Bildung stehen, war grundsätzlich sicherlich gut gedacht. Aber trotzdem glaube ich, dass wir Schüler – und Lehrer – wieder mal die sind, die Experimente des Bildungsministeriums durchmachen müssen.

Hat die ZAP was gebracht?

View Results

Loading ... Loading ...

Hinterlassen Sie eine Antwort

DIE EMA

Kategorien

Leitthema

Anmelden / Advanced NewsPaper by Gabfire Themes