
Killerspiele auf den Index
Sollte der Jugendschutz- vor allem im Hinblick auf die so genannten Killerspiele- verstärkt werden?
Das Thema „Gewalt in Computerspielen und anderen Medien“ ist eine sehr umstrittene Thematik. Auf der einen Seite stehen die Spieler und Vertreter der Spiele-Lobby und auf der anderen Seite Politiker, Psychologen und Kritiker. Warum sollte man überhaupt Medien vertreiben, z. B. Computerspiele, in denen Gewalt vorkommt, oder eher, man selber Gewalt in einer anderen Welt ausüben kann?
Sind Computerspiele ein Kulturgut?
Spieler und Industrie sprechen von einer ganzen Kultur, welche untergehen würde. Diese Spiele seien Kulturgüter und keiner von uns würde es je wagen, ein Kulturgut zu zerstören. In meinen Augen hat jedoch ein brutales Computerspiel nichts mehr mit Kultur zu tun. Im harten Gegensatz stehen hier z. B. Theater, Oper und Konzerte. Doch auch hier finden die Spieler Argumente: Auch z. B. in der Oper sei Gewalt allgegenwärtig und ähnlich brutal wie bei virtuellen Massakern. Ich denke dieses Argument kommt eher aus der Not und ist keinesfalls gerechtfertigt. Wenn in der Oper jemand stirbt, dann steht dieser danach wieder auf der Bühne und wird bejubelt. Jeder weiß, es ist nur gespielt und die Person kommt nicht zu Schaden. Anders ist dies in PC-Spielen. Man kann Menschen zerstückeln, wie es einem gefällt und kann noch auf den kleinsten Pixel heranzoomen, um sein Werk zu „bestaunen“.
Auch die Kritiker und Politiker sind dieser Meinung. „Kultur“, so sagen sie, sei etwas aus der man lernt, wie z. B. Museen. Aus Computerspielen lerne keiner etwas(Stephan Reichert,WDR). Wieder Einspruch von anderen Wissenschaftlern und Spielern. Computerspiele verbessern die Multi-Tasking Fähigkeit und vor allem die Reaktionsschnelligkeit. Doch für was für einen Preis? Herzlichen Glückwunsch, sie verbessern sich beim Erschießen von Personen. Hier gibt es bestimmt bessere Methoden, um dies zu erreichen. Tatsächlich haben die richtigen Computerspiele in der Frühlernphase, also im Kleinkindalter und als Grundschüler, gute Auswirkungen auf die Feinmotorik, Raumorientierung und Reaktion. Dies sind aber nunmal harmlose, pädagogisch wertvolle Spiele. Natürlich gibt es hier auch „Risiken und Nebenwirkungen“. Studien zeigen, wie der Computer immer mehr in den Alltag eindringt und auch Kontakt und Kommunikation ersetzt, z. B. die JIM-Studie,welche die medialen Freizeitaktivitäten von Jugendlichen untersucht. Bei JIM zeigt sich, dass der Computer immer relevanter wird als Medium.
Kein Beipackzettel für Risiken und Nebenwirkungen
Die Studien über Medienverwahrlosung von Christian Pfeiffer weisen daraufhin, dass der Computer die Kommunikation ersetzt und das vor allem bei Jungen. Dies ist nicht förderlich für den Spracherwerb und kann später zu einer so genannten „Medienverwahrlosung“ führen, was sich auch auf die schulischen Leistungen auswirken kann. Dies zeigt die Tatsache, dass Mädchen immer besser in der Schule abschneiden, als Jungen, welche mehr Zeit mit den Medien verbringen,was ebenfalls durch die Pfeiffer-Studie belegt wird.

DIE GLOBALE GAME-FAMILY
Um wieder auf die Killerspiele zurückzukommen, ein ebenso oft genutztes Wort von Spielern ist die „Gemeinschaft“. Die Spieler entgegnen dem Argument von Psychologen, dass sie sich von der Gesellschaft ausgrenzen, häufig mit der eigenen Kommune im Netz. Selbstverständlich ist eine zusätzliche Gemeinschaft im Netz nicht verkehrt, aber auch nur eine Zusätzliche. Der häufigere Fall ist jedoch tatsächlich eine Gemeinschaft vollkommen außerhalb der Gesellschaft. Wann trifft man z.B. den Spielfreund aus Bayern oder aus den USA? Ich denke die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering.
Ist ein Verbot sinnvoll?
Aber warum sollte man diese brutalen Spiele nun verbieten? Eine Person mit guter und stabiler Kommunikation hat sicher kein Problem mit solchen, mehr oder weniger aggressiven Bildern und Eindrücken umzugehen. Ich denke alle Kritiker und Politiker handeln viel mehr aus Angst und diese ist ja nicht unberechtigt, wie Amokläufe zeigen. Hier haben auch die so genannten Killerspiele einen Teil beigetragen. Aber eben nur einen Teil. Und hier möchte ich vielen recht geben, wenn sie sagen: „Die Spiele allein reichen nicht aus, um einen Menschen zu einem Amokläufer zu machen!“ Ich denke es sind viele Faktoren, die sich wie ein Puzzle zusammenfügen.

Natürlich kann man versuchen, einen Teil des Puzzles zu eliminieren, zu überwachen und einzuschränken. Jedoch bleiben noch viele weitere Faktoren übrig, wie z.B. die Kommunikation daheim, wie auch in der Schule oder Interessen für Waffen und Ähnliches. Vielleicht ist es möglich, durch die Kontrolle eines Bereiches, wie eben der PC-Spiele, einige Personen vor Gewaltszenen und der Ausgrenzung zu schützen, welche Auslöser von psychischen Irritationen sein können.
Ich denke auch, dass diese Kontrollen gut und nützlich sind, da, wie z.B. die JIM-Studie zeigt, der Computer in den Mittelpunkt des Alltags der Jugendlichen rückt und hier präventiv zu handeln ist. Ich glaube jedoch nicht, dass wirkliche, potenzielle Amokläufer vor dem Wort „illegal“, welches nach der Zensur von Killerspielen über diesen steht, zurückschrecken, um sich eben die Spiele zu besorgen. Es könnte schlimmstenfalls noch der „Reiz des Verbotenen“ eine Rolle spielen. Auf der anderen Seite ist die Einschränkung und Zensur von brutalen PC-Spielen vielleicht ein erster Schritt zur Verbesserung der Medien in Deutschland.
Philip von Wedel








