Medialer Rausch

Geschrieben von n.cheng Mai 30th, 2009 und gespeichert unter Archiv, EMA KREATIV, Ema Multimedia, Geistreich, Hingeschaut. Erhalten Sie alle Kommentare über RSS 2.0. Hinterlassen Sie zu diesem Eintrag eine Nachricht

computersucht_harry-hautumm_pixelioUnmäßiger Medienkonsum bei Jugendlichen?

Jugendliche im medialen Rausch

In den letzten Jahren hat sich die Freizeitgestaltung der Jugendlichen sehr verändert. Studien wie die JIM[1]-Studie zeigen, dass mit der zunehmenden Verbesserung und Verbreiterung des Angebotes an digitaler Unterhaltungssoftware, diese von immer mehr Jugendlichen häufig genutzt wird, mitunter mehrere Stunden am Tag. Viele Wissenschaftler, wie z. B. Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen und Dina Borzekowski von der John Hopkins Universität in Baltimore, kamen in diesbezüglichen Studien zu dem Ergebnis, dass hoher Medienkonsum und ein eigener PC im Zimmer, die schulischen Leistungen deutlich verschlechtere. Diese Forschungsergebnisse werden vielfach von Politikern aufgegriffen, so ist Jürgen Irmer, der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen, der Ansicht, das mache nicht „nicht nur gewaltig blöd, sondern auch gewaltbereit.” Christian Pfeiffer (SPD) vertritt die Auffassung die Schulnoten fallen umso schlechter aus „je mehr Zeit die Schüler mit Medienkonsum verbringen und je brutaler die Inhalte sind.”

Ist schulisch verordnete Medienabstinenz eine Lösung?

Für diese Problematik wurden verschiedene Lösungsansätze entwickelt. Laut Irmer müssen Eltern ihren Kindern ein Vorbild sein und sollten ihren eigenen Medienkonsum einschränken, das sei wichtig für die Sozialisation und Persönlichkeitsentwickelung. Dieser sei auch die Beschäftigung mit Musik und sportliche Betätigung förderlich, meinen der Musikwissenschaftler Prof. Hans Günther Bastian und der Vereinspräsident von Eintracht Wetzlar. Daher sollten Kinder und Jugendliche häufiger ein Instrument spielen oder Sport treiben. Einen ganz anderen Lösungsansatz hatten 2008 die Suchtberatung der Evangelischen Kirche und die Drogenberatung in Stuttgart. Sie riefen zu einem bundesweiten Projekt „One week, No media!” auf, an dem Schulen ihren Schülern andere Aktivitäten anbieten sollten. Man mag einwenden, dass es fraglich sei, ob diese schulisch verordnete Medienabstinenz, bei Schülern, die der Schule im Vergleich zu ihren Medien ohnehin nur einen geringen Stellenwert beimessen wirksam ist. Dafür spricht jedoch, dass anderen Schülern durch im Zuge des Projekts angebotenen Aktivitäten, Beschäftigungsalternativen zum Mediendauerkonsum aufgezeigt werden könnten. Auch Dauerkonsumenten könnten so Spaß an anderen Dingen finden und sie auch nach dieser Woche fortführen.

Erzeugt Medienkonsum „Schulversagen”?

Fraglich ist jedoch, ob der intensive Medienkonsum als Massenproblem von Jugendlichen und als Ursache für deren Probleme nicht überschätzt wird. Laut der KIM[2]-Studie ist es immer noch die beliebteste Freizeitbeschäftigung von Kindern und Jugendlichen, Freunde zu treffen. Nach wie vor sind auch viele Jugendliche in Vereinen engagiert oder spielen Instrumente. Wer solcherhand sozial integriert ist, und dem Eltern und Lehrer ein Vorbild sind, wie Herr Irmer fordert, der läuft wohl kaum Gefahr sich im medialen Dauerkonsum zu verlieren, für diese Jugendliche ist ein solches Projekt nicht unbedingt notwendig. Man wird auch nicht schulisch versagen, weil man hin und wieder ein paar Stunden am PC spielt, wie die JIM-Studie zeigt, macht das fast jeder männliche Jugendliche und auch viele weibliche. Ein einigermaßen vernünftiger Schüler, sollte die Notwendigkeit eines Schulabschlusses erkennen, will in seinem Leben etwas erreichen. Dieses Gefühl ist jedoch vielen Jugendlichen verloren gegangen, oder es wird ihnen nicht ausreichend vermittelt.

Am Ende zählt nur das Geld

Eine zentrale Ursache des Problems stellt zweifelsohne eine nicht nur unter Jugendlichen weit verbreitete allgemeine „Vergnügungssucht” dar, die mit der Schule nur schwer vereinbar ist, eine gewisse Schuld an der schulischen Misere und dem vielfach krankhafte Züge annehmenden Medienkonsum trägt auch die Spieleindustrie, die bestrebt ist ihre Produkte so suchtgefährdend wie möglich zu machen und sie mittels eines immensen Werbeaufwandes und adressatenspezifischer Gestaltung der Spiele sie auch breiten Gesellschaftsschichten wie Mädchen und Erwachsenen zu vermitteln. Daher ist es fraglich, ob dieses Projekt das Problem des exzessiven Medienkonsums zu Lasten der Schulischen Erfolge lösen kann.

Von Julian Hartmann 10B


[1] Seit 1998 wird mit der JIM-Studie im jährlichen Turnus eine Basisstudie zum Umgang von 12- bis 19-Jährigen mit Medien und Information durchgeführt. Für die JIM-Studie werden jährlich gut 1.000 Jugendliche telefonisch befragt. Themenschwerpunkte der JIM-Studie sind z. B. Freizeitaktivitäten, Themeninteressen, Mediennutzung, TV-Präferenzen, Medienbesitz, Computer- und Internetnutzung.

[2] Basisstudie zum Stellenwert der Medien im Alltag von Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren. Es werden jeweils rund 1.200 Kinder mündlich-persönlich sowie deren Mütter schriftlich u. a. zum Mediennutzungsverhalten befragt.

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