Hasta la vista, Baby! Filmkritisches zu Joseph McGs “Terminator: Die Erlösung”

Geschrieben von Mirko Lehmann Jun 23rd, 2009 und gespeichert unter Ema Multimedia, Hingeschaut. Erhalten Sie alle Kommentare über RSS 2.0. Hinterlassen Sie zu diesem Eintrag eine Nachricht

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„Hasta la vista, Baby!“

„Terminator: Die Erlösung“

Die Vorhänge werden aufgezogen, das Licht geht aus in dem großen Kinosaal. Die Ränge sind gefüllt, und Popcorn nebst Tortilla-Chips fliegen durch den dunklen Raum. Die über hundert Zuschauer sind in freudiger Erwartung des lang ersehnten Kino-Spektakels „Terminator – Die Erlösung.“ In den nächsten zwei Stunden erwartet sie ein Action-Feuerwerk höchster Güteklasse, das sich allerdings in logische Zwickmühlen begibt und dessen diffuse Handlung niemals richtig zu fesseln vermag.

Terminator ohne Arnie?

„Hasta la vista, Baby.“ Mit diesem Satz ging Arnold Schwarzenegger als titelgegebender Anti-Held in „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (1991) in die Filmgeschichte ein. Die in einen menschlichen Körper eingehüllte Maschine, die im ersten Teil zur Tötung Sarah Connors durch die Zeit geschickt wurde, fand bei Fans wie Kritikern gleichermaßen großen Anklang und funktionierte als Grundlage für drei höchst erfolgreiche Filme, die allesamt den Terminator-Kosmos logisch in sich schlossen und obendrein als beste Unterhaltung dienten. Doch nun schickt sich der Hollywood-Regisseur Joseph McGinty Nichol, kurz McG („3 Engel für Charlie“) an, die berühmte Geschichte weiterzuspinnen. Diesmal allerdings kann er sich nicht auf das Charisma des Arnold Schwarzenegger verlassen, der sein Glück inzwischen in der Politik gefunden hat. Um diesen populären Ausfall zu kompensieren, legt McG in dem neuen Terminator-Sequel verstärkt Wert auf große Action und Bombast. Dass diese Rechnung nicht aufgeht, wird indes schnell klar. „Terminator – Die Erlösung“ scheitert an der Aufgabe, Stil und Atmosphäre der Vorgänger aufzunehmen und trotzdem Eigenständigkeit zu entwickeln. Übrig bleibt ein kompromissloses Actionspektakel, das ohne Rücksicht auf Verluste alles zerstört, was die bisherigen Terminator-Filme aufgebaut haben.

Der Plot

Zum Inhalt: Im Jahr 2018 bricht die Welt nach dem jüngsten Tag aus den Fugen. In ihrem unerbitterlichen Krieg setzen die Maschinen von Skynet zum letzten, vernichtenden Schlag gegen die Menschen an. John Connor (Christian Bale) schwingt sich mit der Zeit zum Anführer des Widerstandes gegen die künstlichen Zerstörer auf, gerät dabei aber immer wieder in lebensbedrohliche Situationen. Währenddessen taucht Marcus Wright (Sam Worthington) auf, der sich nur noch daran erinnern kann, dass er im Jahr 2003 zum Tode verurteilt wurde. Zwischen Connor und Wright schließen sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zusammen, und ihr Weg wird von vielen Gefahren begleitet. Während sich Skynet und seine Terminatoren für die entscheidende Schlacht rüsten, begeben sich Connor und Wright auf eine gefährliche Reise in die Höhle des Löwen, um den entführten Kyle Reese (Anton Yelchin) zu retten, denn sonst ist die Menschheit für immer verloren…

Diese Handlung klingt kompliziert, und sie ist es auch. Für Zuschauer, die die anderen drei Terminator-Filme nicht gesehen haben oder sonst auf irgendeine Weise mit der Franchise bewandert sind, ist der Inhalt fast nicht zu verstehen. Allerdings geht es den anderen auch nicht sonderlich besser: McGs Spinn-Off steht völlig außerhalb jeglicher anderer Terminator-Adaptionen und versäumt es, eine logische Brücke zu schließen. Überhaupt vertrauen McG und sein Autorenteam nicht sonderlich auf Logik: an einer Stelle werden Herztransplantationen mitten in der Wüste mithilfe eines kleinen Notköfferchen durchgeführt, und es gelingt dem Protagonisten John Connor tatsächlich, drei Atombombenexplosionen zu überleben. Doch worauf wurde denn Wert gelegt, wenn nicht auf Logik?

Sinnfreie Action um jeden Preis

Die Antwort ist einfach. Action sollte es sein, Action um jeden Preis, und „Terminator: Die Erlösung“ sollte alles bisher da gewesene in diesem Punkt übertrumpfen. McG zeichnet ein apokalyptisches Endszenario, in dem eigentlich immer irgendetwas explodiert und die Helden immer hektisch über die Leinwand hasten, wenn sie nicht gerade vor einem überdimensionalen Cyborg fliehen, der sie zu töten versucht. Ruhepausen sind Mangelware, und Zeit für große zwischenmenschliche Entwicklungen kommt erst recht nicht auf.

Man kann dem Regisseur aber nicht absprechen, dass er sich in diesem Punkt Mühe gegeben hat. Zerstörte und geplünderte Städte, flache, öde Wüsten, über die der kahle Sand fegt und kalte, herzlose Innenräume beliebiger Rebellen-Lager entsprechen hervorragend der gewünschten Atmosphäre. McG zeigt den unerbitterlichen Krieg zwischen Menschen und Maschinen, der in den Vorgängern ja immer nur leicht angedeutet wurde, in seinem vollen Ausmaß. Dazu kommen einige (wenige) gelungene Kampfszenen, in denen der Film tatsächlich seinen Unterhaltungswert bestens erfüllt.

Doch das war es auch schon an Lob. Denn McG hat sich verkalkuliert: wenn er von den gut zwei Stunden Spielzeit anderthalb Stunden auf Actionszenen verwendet, die sich im Laufe des Films selbst überbieten wollen, dann ist dies schlicht und einfach zu viel. Nach einer gewissen Zeit ist der Zuschauer des unaufhörlichen Geknalles überdrüssig, und die überbordende Action gerät zur Farce. James Cameron, Regisseur der ersten beiden Terminator-Filme, sind trotz des niedrigen Budgets 1984 und 1991 hervorragende Filme gelungen, die für das Action-Genre neue Maßstäbe setzten und mit charismatischen Figuren aufwarteten. Doch Cameron ist auch ein Meister seiner Zunft, was man von dem Amerikaner McG nicht unbedingt sagen kann. McG konnte bei seiner Arbeit an „Terminator: Die Erlösung“ auf ein stattliches Budget von 200 Millionen US-Dollar zurückgreifen – das 31fache des Erstlingswerks. Doch wohin ist das Geld geflossen? Hauptsächlich wurden wohl die großartigen Effekte damit finanziert, doch McG muss sich der Wahrheit stellen, dass Action eben nicht alles ist.

Batman als Erlöser?

Aber der Schaden hätte zumindest gelindert werden können, wenn die Schauspieler überzeugende Leistungen abgeliefert hätten. Immerhin hat man mit Christian Bale („The Dark Knight“, „Das Reich der Sonne“) einen der populärsten Hollywood-Darsteller dieser Zeit für die Rolle des John Connor gewinnen können. Doch im ganzen Film bleibt Bale ein Schatten seiner selbst; ob es an dem Drehbuch liegt oder an eigenem Unvermögen, ist hierbei schwer festzumachen, aber Bales Mimik wirkt in dem Film überaus eintönig (tatsächlich lächelt er nicht ein einziges Mal) und es fällt dem Zuschauer schwer, sich mit ihm zu identifizieren. Allein durch seine physische Präsenz verhindert Bale allerdings das völlige Debakel, und man kann nur hoffen, dass er sich bald ansprechenderen Rollen widmet.

Besser schlägt sich da schon Sam Worthington in der Rolle des desillusionierten Marcus Wright, der auf der Suche nach seiner Vergangenheit in die Strapazen des Krieges hineingerissen wird. Worthington, der der Filmlandschaft bisher weitestgehend unbekannt geblieben ist, verkörpert sehr gut den Zwiespalt Wrights und seine Hilflosigkeit im Angesicht des Krieges.

Auch in der Nebendarstellerriege finden sich klangvolle Namen wie beispielsweise Helena Bonham Carter („Fight Club“) oder Bryce Dallas Howard („The Village“), aber unter der wirren Regie McGs vermag niemand so recht seine Höchstleistungen abzurufen. Nennenswert ist ebenfalls der Auftritt des jungen Anton Yelchin in der Rolle von John Connors Vater Kyle Reese. Yelchin, der jüngst bereits im neuen Star Trek-Sequel glänzte, fügt sich nahtlos in das Schauspielerensemble ein und wirkt glaubhaft, obwohl seine Rolle in nicht viel mehr als darin besteht, vor irgendwelchen überdimensionalen Gefahren davonzulaufen.

Bewährte Special Effects

Auf technischer Ebene vermag der Film zu überzeugen: die visuellen Effekte und der Schnitt sind durchaus ansprechend, was man allerdings bei einem solch hohen Budget auch erwarten darf. Bei der Kamera wurden keine größeren Fehler begangen, und Danny Elfmans Musik passt sich gut an das apokalyptische Untergangsszenario an. Doch all das macht einfach noch keinen guten Film, denn der wichtigste Punkt wurde außer Acht gelassen. Ja, die größte Schwäche des Filmes ist wohl die Figurenzeichnung. Wer ist John Connor, und wieso tut er, was er tut? Weshalb nimmt er all die schrecklichen Leiden auf sich auf, und weshalb kämpft er, und wofür? Was bedeutet es für Connor, dass er auf seinen Vater trifft, der später in der Vergangenheit sterben wird? Was verbirgt sich hinter der harten Schale der tapferen Kämpfer für die Rettung der Menschheit? Wer ins Kino gegangen ist, um Antworten auf offene Fragen der Vorgängerfilme zu erhalten, der wird mit einem riesigen Bündel neuer Fragen das Kino wieder verlassen, obwohl die alten noch nicht einmal geklärt sind. McGs Fortsetzung ist im Kern schlicht und einfach unnötig – da hilft auch alle Proklamation nichts.

Seelenloses Leinwandspektakel

Action um jeden Preis sollte es sein, und der Preis war in diesem Falle die Seele. „Terminator: Die Erlösung” ist ein Film ohne Seele, in dem die Figuren über zwei Stunden lang über die Leinwand hetzen und von einem lebensgefährlichen Kampf in den nächsten geraten. Der Film verkommt mit zunehmender Spielzeit (denn zu Beginn lässt sich an den kühlen Bildern der Apokalypse noch ein gewisser Reiz finden) zu einem sinnbefreiten Actionspektakel, das sich selbst unnötig glorifiziert und dadurch so elementare Dinge wie eine funktionierende Charakterisierung der Personen vernachlässigt. Die Spannung und atmosphärische Dichte der Vorgänger ist in diesem humor- und erbarmungslosen Sequel kaum noch vorhanden, und für den Fall, dass sich Arnold Schwarzenegger von seinem doppeltgepolsterten Gouverneur-Sessel in Kalifornien noch einmal hochbemühen würde, hätte er vermutlich nur eines zu sagen: „Hasta la vista, Baby!“

Mirko Lehmann

Trailer zu Terminator: Die Erlösung

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