Der Podcast Tipp: Die neue Freundlichkeit

Geschrieben von n.cheng Sep 21st, 2009 und gespeichert unter Allgemeines, EMA KREATIV, Geistreich, Hingehört. Erhalten Sie alle Kommentare über RSS 2.0. Hinterlassen Sie zu diesem Eintrag eine Nachricht

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Rezension vom Hörspiel „Die Neue Freundlichkeit“

Das Hörspiel „Die Neue Freundlichkeit“ von Till Müller-Klug, produziert vom WDR im Jahr 2006, handelt von der Modernisierung und Maschinisierung der Arbeitswelt, wodurch die einzelnen Menschen zunehmend wie Dinge behandelt werden und nicht mehr auf sie eingegangen wird.

Die neue Jobvermittlungssoftware MultiJOB soll Arbeitslosen effizienter und freundlicher neue Jobs vermitteln. Große Anhängerin von diesem Programm ist Sylvia Novak, eine der beiden Hauptpersonen des Hörspiels. Sie ist Bereichsleiterin in einer Arbeitsagentur und denkt an nichts anderes als ihre Vermittlungsquote. Um diese zu steigern und sich in den Top 100 des Vermittlungsrankings zu halten, engagiert sie die arbeitslose, vor Ideen sprühende Motivatorin Holly Heinze als Wartezonenforscherin. Diese erkennt das Problem der unmotivierten Arbeitslosen und gestaltet mithilfe der Sängerin Adriana Jakobi eine freundliche Vermittlungslounge. Als diese aber  nicht die erhoffte Wirkung zeigt, vereinigt Sylvia Novak kurzerhand die Vermittlungssoftware MultiJOB mit dem Partnervermittlungsprogramm MaxiLOVE. Hiermit erreicht sie eine Vermittlung sämtlicher Arbeitslosen und ihre Arbeitsagentur wird aufgrund von Vollbeschäftigung geschlossen.

Eine weitere Person ist der Langzeitarbeitslose Bernd Schönemann, welcher von der Fussfessel Freddie Bewerbungs- und Motivationstrainings erhält. Letztendlich schafft er es, eine neue Stelle zu bekommen.

Dieser Handlungsstrang ist in mehrere Teile gegliedert. Zunächst wird in der Eingangsszene die Problematik dargestellt: Fehlende Motivation und falsche Freundlichkeit, womit die Menschen wieder motiviert werden sollen. Über einen Spannungsbogen, während dem der Hörer immer neue, überraschende Details, Probleme und erstaunliche Lösungen erfährt, führt das Hörspiel zum Schluss, dem Höhepunkt, wo alles in sich zusammenfällt.

Der Handlungsort ist meistens das Arbeitsamt, nur kurz führt das Hörspiel ins Haus von Bernd Schönemann.

Das Hörspiel wird von mehren Sprechern vorgetragen und ist mit Musik und Geräuschen untermalt. Die Musik stellt den aktuellen Ort und die Person dar, und stimmt so den Hörer auf das Geschehen ein. Auch Geräusche werden verwendet, so werden beispielsweise neue Einfälle von Holly Heinze von einer aufsteigenden Tonfolge begleitet.

Till Müller-Klug will mit diesem Hörspiel die moderne, gefühllose und rein nach Effizienz und Nutzen orientierte Arbeitswelt kritisieren. Dabei geht er insbesondere auf die Arbeitslosenermittlung ein, wo es laut ihm nur um Quantität, nicht aber um Qualität geht. Die Einzelschicksale der Arbeitslosen werden in den Hintergrund gestellt, allein die Statistik muss stimmen. Die Menschen werden dabei wie Dinge behandelt, mit teils absurden Maßnahmen werden ihnen Jobs zugeteilt.

Des weiteren kritisiert Till Müller-Klug den fortschreitenden Einsatz vom Computer in sämtlichen Bereichen, alles wird vom Computer erledigt, hoch effizient und günstig. Menschen braucht es nicht mehr, damit geht aber auch die persönliche Nähe und die Freundlichkeit verloren.

Abschließend kann ich das Hörspiel sehr positiv bewerten, da es sich durch interessante Ideen und eine abwechslungsreiche Gestaltung deutlich von anderen Hörspielen abhebt, es bestreitet neue und unkonventionelle Wege. Das Hörspiel kritisiert wichtige Probleme und stellt diese anschaulich dar. Es wird von guten Sprechern vorgetragen und passend mit Hintergrundmusik und -geräuschen untermalt. Die Handlung ist interessant und immer wieder von Überraschungen geprägt.

Es ist ein empfehlenswertes Hörspiel!

Tilmann Bihler

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http://www.radio-today.de/hoerspiel-player.php/529/Die%20Neue%20Freundlichkeit

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