Allgemeines zu Inglorious Basterds:
FSK: 16 Jahre
Regie: Quentin Tarrantino
Darsteller:
Brad Pitt – Lt. Aldo Raine
Christoph Waltz – Oberst Hans Landa
Eli Roth – Sgt Donni Donowitz
Michael Fassbender – Lt. Archie Hicox
Daniel Brühl – Frederick Zoller
Diane Kruger – Bridget von Hammersmark
Til Schweiger – Sgt. Hugo Stiglitz
Mélanie Laurant – Shoshanna Dreyfuß
Die Handlung
Inglorious Basterds wird in fünf Kapiteln erzählt:
Die Jüdin Shoshanna Dreyfuß kann als einzige ihrer Familie entkommen, als SS-Oberst Hans Landa ihr Versteck in einem Bauernhof im von Nazis besetzten Frankreich aufspürt und ihre Familie tötet. In Paris baut sie sich unter falschem Namen eine Existenz als Kinobesitzerin auf. Zur gleichen Zeit zieht eine von Lt. Aldo Raine aufgestellte Sondereinheit aus Juden durch die Lande um auf grausamste Weise Nazi-Soldaten abzuschlachten, um so die Moral der Nazis zu schwächen.
Zusammen mit der zu den Alliierten übergelaufenen deutschen Schauspielerin Bridget von Hammersmark verfolgen die „Basterds“ den Plan „Operation Kino“, um Hitler und seinen Führungsstab umzubringen. Sie wollen ein Kino in die Luft sprengen, in welchem eine Filmpremiere eines Propagandastreifens stattfindet.
Der in diesem Film dargestellte Held der Deutschen Frederick Zoller findet indes Gefallen an Shoshanna und überredet Goebbels, die Premiere in ihrem Kino stattfinden zu lassen.
Nun schmiedet Shoshanna wiederum Pläne, das Kino anzuzünden, um so ihre Rache zu bekommen. Hans Landa erfährt von der Sache, tötet Bridget von Hammersmark und lässt Aldo Raine festnehmen. Er bietet ihm einen Handel an, da er weiß, dass der Krieg verloren ist: Er erzählt den Deutschen nichts von dem Plan der Basterds, wenn man ihn selbst als Held darstellt, der mit den Alliierten zusammengearbeitet hat. Raine hat keine andere Wahl und stimmt wohl oder übel zu. Sowohl Shoshannas Plan als auch der der Basterds gelingen und das Kino geht mit Shoshanna, den verbliebenen Basterds und der deutschen Führungsriege in Flammen auf und wird in die Luft gesprengt.
Aldo Raine indes lässt sich nicht auf den Handel mit Landa ein und ritzt ihm als „Markenzeichen“ ein Hakenkreuz auf die Stirn.
Der Film – nichts für schwache Nerven
Inglorious Basterds in drei Worten? Brutal. Besonders. Beeindruckend. Und absolut nichts für Leute mit schwachen Nerven. Wenn du Pulp Fiction cool fandest und du Dir jede Szene in Kill Bill ansehen konntest, ohne wegschauen zu müssen, dann ist „Inglorious Basterds“ der richtige Film für dich und dir wird über zweieinhalb Stunden großartige Unterhaltung geboten, doch auch am nötigen Anspruch fehlt es nicht.
Denn das Thema ist sehr ernst, wird aber auch entsprechend behandelt.
Quentin Tarrantino hat seinem Ruf als, naja, besonderer Regisseur alle Ehre gemacht und Szenen, geschaffen die man nicht so schnell vergisst.
Inglorious Basterds ist ein fiktive Geschichte, ein Märchen. Der Film fängt an mit „Es war einmal im vom Nazis besetzten Frankreich“, was gleich sicherstellt, dass historische Bezugspunkte nur im Groben vorhanden sind und die eigentliche Story frei erfunden ist.
(Auf Englisch heißt es im Original „Once upon a time in…“ was eine Hommage an „Spiel mir das Lied vom Tod“ ist)
Auch der Einsatz von Musik ist speziell, in der ersten Szene – man sieht einen französischen Bauern Holz hacken, im Hintergrund fährt Oberst Landa in Echtzeit mit dem Wagen vor -ertönt Beethoven: Für Elise, untersetzt mit Spanischen Gitarrenklängen. Generell finden sich an Western angelehnte Klänge im ganzen Film wieder, teilweise sogar Melodien von Ennio Morricone, dem Komponisten vom Film „Spiel mir das Lied vom Tod“.
Tarantino setzt in diesem Film ganz gezielt das Stilmittel der Sprache ein. Nicht nur dass (völlig Hollywood-untypisch) im Film mehr deutsch und französisch als englisch gesprochen wird, nämlich immer in der Sprache, die die Personen auch in echt sprechen würden (inwiefern das in der deutschen Version verfälscht wird, weiß ich leider nicht).
Nein, am auffälligsten sind die gut in Szene gesetzten langen Dialoge, welche im Film oft vorkommen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Dritte Kapitel: Hier treffen sich die Basterds mit Bridget von Hammersmark in einer Kellerkneipe um mit ihr die letzten Details der Sprengung des Kinos durchzugehen. Ein Dialog zwischen der Spionin mit ihren Kontaktmännern beginnt und alles könnte ganz harmlos verlaufen. Wäre da nicht ein SS-Offizier, der sich zu ihnen setzt und mit ihnen trinken will. Er hat die Basterds von Anfang an in Verdacht, und so baut sich langsam aber sicher ein äußert bedrohliche Spannung auf, die in einem äußerst brutalen Schusswechsel mündet, den bis auf zwei Leute niemand überlebt. In dieser Szene verzichtet Tarantino übrigens ganz auf den Einsatz von Musik, was die Dialoge sehr in den Vordergrund rückt und sie deutlich intensiver erscheinen lässt.
Doch Tarantinos Film ist nicht nur brutal und ernst. So gibt es ein paar wirklich komische Momente, die die Spannung auflockern. Meistens werden diese Momente durch Oberst Landa ausgelöst, wenn er zum Beispiel „Das ist ein Bingo!“ ruft (siehe Youtube-Clip).
Die Darsteller
Einen großen Anteil daran hat Christoph Waltz, der diese Rolle wirklich hervorragend spielt und mit Abstand die beste Leistung in diesem Film bringt. Das liegt aber auch daran, dass – obwohl der Film „Inglorious Basterds“ heißt – diese nicht wirklich oft vorkommen, sondern eher Nebenfiguren darstellen, so dass Brad Pitt oder Til Schweiger (der eh zu früh stirbt) einfach gar nicht so präsent sind.
Erwähnen sollte man auch noch Goebbels, der sehr gut schmierig gespielt wird von Sylvester Groth. Dagegen wirkt die Figur des Hitler (Martin Wuttke) fast wie eine Karikatur. Entweder regt sich Hitler über den „Bärenjuden“ auf und brüllt auf die stereotypisch cholerische Art herum oder er sitzt im Kino und lacht wie irre, als Frederick Zoller im Film einen Amerikaner nach dem anderen erschießt.
Aus schauspielerischer Hinsicht ist der Film noch interessant, da man, wenn man sich in der deutschen Fernsehlandschaft halbwegs auskennt, viele bekannte Gesichter entdeckt. So hat nicht nur Mike Myers (Austin Powers) einen Gastauftritt als britischer Offizier.
Ich habe zum Beispiel Gedeon Burkhard (war mal bei „Alarm für Cobra 11“ Kommissar) erkannt, der einen Basterd spielt sowie Volker „Zack!“ Michalowski (hat eine mehr oder weniger bekannte Comedyserie auf Sat1), der einen einfachen Soldaten in der oben erwähnten Kellerkneipe spielt.
Tarantino besetzt wirklich jede deutsche Rolle mit einem deutschen Schauspieler, sowie er jede im Film französische Rolle mit einem französischen Schauspieler besetzt.
Die Altersfreigabe ab 16 ist völlig gerechtfertigt, wenn nicht sogar zu niedrig angesetzt (andererseits gibt es ähnlich brutale Filme ab 16). Man sieht viel Blut, Menschen, denen die Hoden zerschossen werden oder die Kopfhaut abgeschnitten wird. Der ein oder andere Zuschauer schaut bei diesen Darstellungen schon mal weg.
Gute Unterhaltungskost
Abschließend kann ich sagen, dass „Inglorious Basters“ mich sehr beeindruckt hat.
Tarantino schafft durch seinen speziellen Regie-Stil ein Film, der nicht immer perfekt, aber zu jeder Zeit etwas Besonderes ist. Wenn einem die Gewaltszenen nicht zu viel werden und man Lust auf anspruchsvolle und gut inszenierte Unterhaltung hat, sollte man sich „Inglorious Basterds“ auf jeden Fall ansehen.
Tim Hemmrich









