Der besondere Filmtipp: Schmetterling und Taucherglocke

Geschrieben von l.reisch Nov 6th, 2009 und gespeichert unter Frisch getippte Highlights, Hingeschaut, Kulturelles. Erhalten Sie alle Kommentare über RSS 2.0. Hinterlassen Sie zu diesem Eintrag eine Nachricht

taucherglocke

Bauby schrieb nur mit seinem linken Auge ein Buch.

Der 43-Jährige Jean-Dominique Bauby (Mathieu Amalric) ist Chefredakteur der französischen “Elle” und Vater von 3 Kindern. Wegen einer Geliebten hat er soeben seine Frau verlassen. Sein Leben ist voller Glanz und Glamour.

Eines Tages erwacht er im Krankenhaus und kann nichts bewegen, als sein linkes Auge. Bauby erlitt einen schweren Schlaganfall und leidet nun am seltenen “Locked-in-Syndrom”. Erst in diesem Zustand, der Regisseur Julian Schnabel bezeichnet ihn als Ebene “zwischen Leben und Tod”, lernt Jean-Dominique, was es wirklich heißt zu leben. Er lernt vor allem sich selbst kennen:

“War ich blind und taub zugleich, oder brauchte ich erst ein Unglück, um mir über meine wahre Natur klar zu werden?”

Er erkennt, dass die Phantasie und seine Erinnerungen die einzigen Möglichkeiten sind, um seinem Körper, an den er gefesselt ist, zu entkommen. Sein bewegungsloser Körper stellt also die Taucherglocke dar, die ihn an den Grund des Ozeans fesselt, sein Geist ist der Schmetterling, der ihn an jeden Ort tragen kann, an dem er sein möchte.

Zusammen mit seiner Therapeutin, gespielt von Marie-Josée Croze, findet er einen Weg, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Sie liest ihm die Buchstaben des Alphabetes, sortiert nach der Häufigkeit, mit der sie in der französischen Sprache vorkommen vor, und er blinzelt bei dem Richtigen. So entstehen Buchstabe für Buchstabe Wörter und Wort für Wort ganze Sätze. Auf diese Weise schreibt Jean-Dominique Bauby ein Buch und lässt die Menschen an seinen wundervollen Gedanken teilhaben.Schmerling_Taucherglocke_screenshot

Das 2007 erschienene Drama “Schmetterling und Taucherglocke”, welches mit der Goldenen Palme für die beste Regie und 2 Golden Globes ausgezeichnet und außerdem 4 mal für den Oscar nominiert wurde, macht einem auf nüchterner Ebene deutlich, dass man zu sich selbst finden sollte, bevor es zu spät ist. Es beruht auf einer wahren Begebenheit.

Der Zuschauer schlüpft in die Rolle von Bauby, da alles aus seiner Sicht gefilmt wurde, was am Anfang beklemmend wirkt. Der Film schafft es jedoch, einem dieses Gefühl der Beklemmung zu nehmen, denn der Protagonist nimmt einen mit auf seine Phantasiereisen, in seine Träume und Erinnerungen. An einigen Stellen kann man diese Traumwelt jedoch nicht mehr von der Wirklichkeit unterscheiden, was auch etwas grotesk wirkt. Zu diesem Eindruck tragen außerdem die besonderen Kameraeffekte bei.

Grundsätzlich kann man das Drama als gelungenes Kunstwerk bezeichnen. Trotz der aussichtslosen Situation, oder gerade deswegen, entwickelt sich die Hauptperson vom oberflächlichen Menschen zum Künstler. Durch Witz und den Blick für das Wesentliche im Leben wird man dazu angehalten, die Welt bewusster wahrzunehmen.

Lydia Reisch

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