Ich: Guten Tag Herr Maghrebi! Ich bin Victoria, und würde sie gerne interviewen, wäre das vielleicht möglich?
Maghrebi: Aber natürlich! Du kannst mich auch duzen und Ahmed nennen, wenn du magst.
Ich: Das ist nett von Ihnen… ähh ich meine von dir. Was bedeutet es eigentlich für dich ein Muslim zu sein?
Ahmed: Natürlich bin ich stolz auf meinen Glauben, er ist mein Leben, ohne ihn hatte ich keine Richtlinien.
Ich: Ist es nicht manchmal schwer nach den ganzen Regeln zu richten, denn so weit ich weis darf man als Muslim kein Schweinefleisch essen, oder?
Ahmed: Nein, ob du es glaubst oder nicht schwer ist es für mich nicht auf Schweinefleisch zu verzichten, weil ich noch nie in meinem Leben welches gegessen habe.
Ich: Du lebst als Muslim in Deutschland. Hast du das Gefühl nicht richtig angenommen zu sein oder sagst du, „Ja, ich fühl mich ‚deutsch’“.
Ahmed: Ich hab” manchmal das Gefühl, dass in deinem Land immer weniger Platz für Menschen wie mich ist.
Ich: Was soll ich jetzt darunter verstehen?
Ahmed: Nicht alle Menschen denken so wie du, zwar tun das viele, aber es gibt auch Leute, die etwas gegen Muslime haben und davon gibt es immer mehr.
Ich: Ach so …
Ahmed: Wenn du noch Fragen hast kannst du mir sie mir noch stellen, du brauchst nicht so schüchtern sein.
Ich: Na gut…Was hat dich denn am meisten verärgert?
Ahmed: Am schlimmsten war es für mich, wenn sich andere Leute über mich lustig gemacht haben, weil ich kein Bier mittrinken wollte oder in der Kantine immer darauf geachtet habe, dass ich kein Schweinefleisch gegessen habe.
Ich habe mich von diesen dummen Sticheleien nicht beeinflussen lassen, doch es war immer ein Stich ins Herz.
Jetzt habe ich es endgültig satt und schon in einem Monat fliege ich in meine Heimat nach Tunesien zurück.
Ich: Wenn man das Wort Islam hört denken die meisten Leute nur an Vielweiberei und vor allem an Frauen Unterdrückung! Was meinst du dazu?
Ahmed: Weißt du, die meisten, die so etwas sagen oder denken kennen den Islam nur aus der Presse z. B. wenn ein muslimisches Mädchen weg lauft, weil es kein Kopftuch tragen und der Vater sie dazu zwinge will.
Diese Fälle sind Ausnahmen und das ist dann Familien bezogen. Meine Frau beispielsweise trägt ihr Kopftuch freiwillig und ist stolz darauf
Ein anderes Beispiel dazu wäre das Beten, immer werden wir Muslime bei der Sadscha fotografiert, wenn wir mit der Stirn den Boden berühren, am liebsten von hinten: Lange Reihen von Hintern: Erniedrigend!!!’
Wusstest du, dass die Sadscha nur eine von fünf Haltungen ist und noch dazu die kürzeste?
Ich: Nein das wusste ich in der tat nicht ich habe immer gedacht das wäre eure Gebetshaltung.
Aber apropos Presse die Presse stellt den Islam oft als Religion des Schwertes dar.
Was hältst du davon?
Ahmed: Natürlich halte ich sehr wenig davon, denn der Islam ist keine Religion des Schwertes! Zwar sind Muslime auch in Kriege verwickelt, aber sind Christen das nicht auch?
Selbst in Religionskriegen geht es doch eigentlich nur am Rande um den richtigen Glauben, Oder? Die Religionen werden doch immer wieder für politische Zwecke missbraucht.
Ich: Noch eine letzte Frage: Wie interpretieren die Muslimen eigentlich die Lehre des Islams?
Ahmed: [)er Islam wird von Außen als sehr streng betrachtet, dabei ist es so, dass jeder Muslime seinen eigenen Islam hat das bedeutet, dass jeder Muslim den Islam anders interpretiert. Der Islam hat eine so große Blütenvielfalt wie es sie im tropischen Regenwald gibt. Jeder Muslim versteht den Islam anders, aber jeder gibt sich Gott hin, nur auf seine Art und Weise.
Ich: Danke Ahmed für das Interview. Es hat mir einen kleinen Einblick gegeben und großen Spaß gemacht.
Tschüss!
Ahmed: Auf Wiedersehen Victoria.
Olivia Hangula 7A
(Fiktives Interview zu Friedemann Büttner, Auf einem Flug nach Tunesien. In: Islam Verstehen, 2005)









