Being Hänsel und Gretel

Geschrieben von l.reisch Dez 16th, 2009 und gespeichert unter Frisch getippte Highlights, Kulturelles, Theater. Erhalten Sie alle Kommentare über RSS 2.0. Hinterlassen Sie zu diesem Eintrag eine Nachricht

Bonns erste Christmas Panto

In der Vorweihnachtszeit hat sich das Theater etwas Neues einfallen lassen: Warum nicht den britischen Brauch einer Christmas Panto(mime) nach Bonn importieren? Ab Anfang Dezember ist es in Großbritannien üblich, dass die ganze Familie ein lustig aufgemachtes, mit aktuellen Themen bestücktes, zum Mitmachen anregendes Stück besucht.

THEATER BONN: BEING HAENSEL & GRETELWir hatten durch Ankündigungen (siehe Artikel „Theaterfest 2009“) eine andere Erwartung an das Stück, doch im Endeffekt wurden wir nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Bei dem Eintritt auf die eigentliche Bühne der Halle Beuel hatte man direkt das Gefühl, sich selbst im Märchenwald zu befinden. Die Sitztribünen befanden sich links und rechts vom Ort des Geschehens, in der Mitte sorgten ein Bachlauf und mehrere Bäume für das perfekte Ambiente des Märchens „Hänsel und Gretel“.

Aber warum „Being Hänsel und Gretel?“

Der Schauspieler Yorck Dippe kündigte mit einer blonden Perücke ausgestattet das Stück an: „Was würde ich tun, wenn ich Hänsel und Gretel wäre?“ Die Variation des Märchens, welches wohl jeder noch als Gutenachtgeschichte vorgelesen bekommen hat, zeigte eine Möglichkeit der Beantwortung dieser Frage.THEATER BONN: BEING HAENSEL & GRETEL

Wie würde man sich als Jugendlicher allein und ausgesetzt im Wald verhalten? Ganz gewiss könnte man der Versuchung eines riesigen, mit Süßigkeiten gefüllten Hauses und einer ebenso verlockenden Hexe, gespielt von Hendrik Richter, nicht widerstehen.

Die Geschichte entwickelt sich so, wie man sie kennt, allerdings ist sie natürlich um einige Charaktere und Besonderheiten reicher. Eine unsere Sprache nicht beherrschende Spinne (Maria Munkert) sowie die zwischendurch erscheinenden Figuren aus anderen Märchen, alle gespielt von Raphael Rubino, lockern das Stück auf. Mitmachen ist beim Erraten der Märchenfiguren erwünscht.

Obwohl man bei den Worten Hänsel und Gretel als Erwachsener vielleicht stutzig wird und die Inszenierung mit einem Schulterzucken abtut, waren alle Alterskassen vertreten und machten fleißig mit, die Großen manchmal mehr als die Kleinen.

Fettmaschine

Fettmaschine

Highlights wie die „Fatmachine“, die Hänsel mästen sollte, wurden musikalisch untermalt und sorgten natürlich für Stimmung im Publikum.

Wer vor Weihnachten also eine moderne Einstimmung im Kontrast zur alljährlichen Inszenierung von „Hänsel und Gretel“ in der Oper Bonn sucht, der sollte sich das Stück auf jeden Fall zu Gemüte führen.

Steffi Kirchner, Lydia Reisch

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