Von Hausaufgaben, Kompetenzvermittlung und Eigenverantwortung

Geschrieben von Julian Hartmann Dez 22nd, 2009 und gespeichert unter Allgemeines, Frisch getippte Highlights. Erhalten Sie alle Kommentare über RSS 2.0. Hinterlassen Sie zu diesem Eintrag eine Nachricht

abi 2014

Die in NRW flächendeckend für alle Jahrgänge eingeführte Verkürzung der Schulzeit auf dem Gymnasium bis zum Abitur von 9 auf 8 Jahre ab dem Abi-Jahrgang 2014, führte bekanntermaßen zu zahlreichen Problemen, so zur regelrechten Überarbeitung von Schülern, die einen enormen Stoff zu bewältigen und kaum noch Freizeit haben, für die es auch am Wochenende nur noch die Schule gibt. Davon können viele Schüler in der Mittel- und Unterstufe oder Schüler mit jüngeren Geschwistern ein Lied singen. Das lag vor allem an sträflichen Fehlern des von Barbara Sommer geführten Kultusministeriums, so hat man es versäumt Lehrpläne und -materialien ausreichend anzupassen, so dass einfach der gleiche Stoff in weniger Zeit bewältigt werden musste. Durch die Schulzeitverkürzung wurde außerdem von heute auf morgen Nachmittagsunterricht nötig, ohne dass die Schulen dafür im Hinblick auf Verpflegung und sonstige Angebote für die Schüler, eingerichtet gewesen wären. Anders als in Rheinland-Pfalz hat man es darüber hinaus versäumt die Schulzeitverkürzung an den einzelnen Schulen zeitversetzt einzuführen und die Schulen vor die Wahl zu stellen, ob sie diese überhaupt oder auch erst später einführen wollen. Daraus entsteht folgerichtig das Problem, dass wenn 2014 zwei ganze Jahrgänge auf einmal die Schule mit dem Abitur abschließen, sich die doppelte Anzahl an Bewerbern um Studien- und Ausbildungsplätze bemühen wird. Die Landesregierung verspricht zwar entsprechend mehr Studienplätze bereitzustellen, das wird aber in Anbetracht der größtenteils ausgelasteten Kapazitäten der Unis in NRW schwer möglich sein, schon da es einfach nicht genügend Professoren und Hörsäle gibt und private Unternehmen natürlich nicht mehr ausbilden werden, als sie Bedarf haben.

Nachdem sie bereits mit Blick auf die Landtagswahl am 9. Mai kommendes Jahres und den zunehmen offen gezeigten Unmut der Schüler- und Elternschaft, ein Schuljahr ohne weitere Reformen angekündigt hatte, fordert Frau Sommer nun, um Schadensbegrenzung bemüht, die Schulen in NRW auf den Lehrstoff zu entrümpeln und die Lehrer sich, so wörtlich: „ein bisschen disziplinieren und nicht mehr unendlich viel Hausaufgaben aufgeben“. Ein Ministeriumssprecher fügte noch hinzu „Wir kontrollieren zwar, können aber nicht 190.000 Lehrern ständig über die Schulter schauen.“ Die Lehrer sollten sich auf das Vermitteln von „Kompetenzen“, wie Interpretieren und Analysieren beschränken und auf Inhalte nur noch exemplarisch zurückreifen. Zum Beispiel könne man doch die Weimarer Republik „vom Ende her“ besprechen. Ein solches Vorgehen wäre jedoch und fachwissenschaftlichen und pädagogischen Aspekten völlig widersinnig, wie sollte man denn auch das Ende der Weimarer Republik verstehen, ohne die Anfänge zu kennen? Und das bloße Vermitteln von Kompetenzen reicht erfahrungsgemäß nicht aus, sondern diese müssen auch angewendet werden, damit man sie sich wirksam aneignen kann. Frau Sommer liegt falsch, wenn sie den Lehrern vorwirft sie geben zu viele Hausaufgaben auf, vielmehr ist es so, dass sie und ihr Ministerium es versäumt haben Lehrpläne vernünftig auf die Schulzeitverkürzung umzustellen und die Umstellung besser vorzubereiten. Lehrerverbände wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Verband Bildung und Erziehung kritisierten sie hierfür heftig: „Eigenverantwortliche Schule heißt nicht, dass die Politik einen Scherbenhaufen hinterlassen kann, den die Lehrer dann eigenverantwortlich wegräumen müssen.“

Julian Hartmann

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