Premiere “Nachtschwärmer”. Endlich wieder Theater am EMA

Geschrieben von Juliane Mai 2nd, 2010 und gespeichert unter Frisch getippte Highlights, Kulturelles, Theater. Erhalten Sie alle Kommentare über RSS 2.0. Hinterlassen Sie zu diesem Eintrag eine Nachricht

Probenarbeiten in der Aula.Nachdem meine Schwester mir wochenlang in den Ohren lag, dass sie es nicht mehr erwarten könne und wie sehr sie aufgeregt sei, war es endlich soweit: Der lang ersehnte Tag der Premiere des Theaterstückes “Nachtschwärmer” war endlich gekommen.

Der Differenzierungskurs der Stufe 9 des EMA’s hatte mit vielseitiger Unterstützung von Lehrern und Eltern insgesamt 100 Stunden Arbeit in die Einstudierung und Vorbereitung der Theaterstückes investiert. Unter der Leitung von Timo Wilhelm (einem Deutsch-, Politik-, Sozialwissenschafts– und Musischem Gestaltenlehrer) wurden Kostüme und Bühnenkulissen erstellt und perfektioniert.

“Nachtschwärmer ist eine modernisierte Version des Kinder- und Hausmärchens “Die zertanzten Schuhe” der Gebrüder Grimm. Ursprünglich geht es um einen König, der 12 Töchter hat, die morgens immer zertanzte Schuhe haben. Der König kann das Rätsel nicht lösen und gibt in Auftrag, jemanden zu suchen, der bereit dazu wäre. Als Belohnung verspricht er demjenigen seine älteste Tochter zur Frau. Wenn das Rätsel binnen 3 Tagen nicht gelöst wird, muss derjenige sterben. Viele melden sich, in der Hoffnung, herauszufinden, was die 12 Töchter nachts treiben, doch alle scheitern, weil sie auf mysteriöse Art jede Nacht einschlafen. Als sich schließlich ein Soldat meldet, der von einer alten Frau den Rat bekommt, den Nachttrunk, den die älteste Tochter ihm anbieten wird, nicht zu trinken und einen Tarnmantel während der Wache zu verwenden, gelingt es ihm, den Töchtern 3 Mal in ein geheimes unterirdisches Schloss zu folgen, wo sie mit 12 verwunschenen Prinzen tanzen, um diese so zu erlösen. Der Soldat erhält als Dank vom König die älteste Tochter zur Frau und die 12 Prinzen werden wieder verwunschen.

Der 9er Dif-kurs hat aus diesem Märchen eine moderne zeitangepasste Version inszeniert, in der anstatt 12 Prinzessinnen, 3 normalbürgerliche Töchte sich jede Nacht die Füße blutig tanzen, indem sie durch eine geheime Tür in ihrem Zimmer in die mysteriöse Unterwelt gelangen. Dort warten in dem Schloss 3 verwunschene Prinzen, in die die Töchter unsterblich verliebt sind. Die verzweifelte Mutter der 3 Schwestern weiß sich keinen anderen Rat mehr, als einen Wächter zu engagieren und sich ans Fernsehen zu wenden, um die hunderten Paare von Schuhen in Zukunft nicht mehr kaufen zu müssen. Der engagierte Wächter trinkt den Nachttrunk, den die Töchter ihm anbieten, auf den Rat zweier Wahrsagerinnen hin nicht und benutzt einen Tarnumhang während der Wache, um den Mädchen unbemerkt zu folgen. So begleitet er die 3 Schwestern in ein unterirdisches Schloss und findet Nacht für Nacht heraus, dass die Mädchen sich dort immer mit 3 verwunschenen Prinzen treffen und die Nächte mit tanzen verbringen.Die 3 Schwestern und ihr Wächter

Als der Wächter in eine Talkshow eingeladen wird, lüftet er öffentlich, vor laufender Kamera, das Geheimnis um die 3 Töchter. Die erzürnte Mutter der 3, findet durch die detaillierte Erzählung des Wächters die geheime Tür im Zimmer der Mädchen und zerstört den Eingang zu Unterwelt, zum Nachteil der Prinzen. Denn die verwunschenen Prinzen wären nach 1000 Nächten erlöst worden und zu diesem Zeitpunkt fehlen nur noch 2 Nächte. Das rücksichtslose Verhalten der Mutter führt dazu, dass ihre Töchter sehr sauer auf sie sind und ihre Frust in einer Bar loswerden wollen. Dort verliebt sich eine der Töchter in den Barbesitzer, also gibt es zumindest für eine Person ein Happy End.

Die Stufe 9 hat eine sehr interessante Version inszeniert und viele der Schüler standen zum ersten Mal auf der Theaterbühne. Die Kostüme waren sehr modisch, sodass sich die Zuschauer schnell mit den Charakteren identifizieren konnten. Den Großteil des Stückes konnte man auch auf den hinteren Plätzen akkustisch gut verstehen, aber manche Szenen waren sehr unverständlich, z.B. Szenen in denen die 3 Prinzen auftauchten: Die Prinzen trugen Maskes, die mehr als nur die Hälfte des Gesichts bedeckten und daher leicht beim lauten Sprechen behinderten.

Eine der Hauptrollen vergaß auch einige wenige Male ihren Text, rettete sich aber wirklich sehr gut raus. Wenn man einige der Darsteller persönlich kannte, dann war man bei denen, die sonst eher zurückhaltend sind, erstaunt, wie laut und bestimmt diese sich in manchen Szenen verhielten. Ich für meinen Teil hätte z.B. nicht erwartet, dass eine Sophia Hoge, die eine der Schwestern spielte, so laut schreien kann.

Die Rollen wurden insgesamt sehr gut und passend verteilt, die Rolle der aufgedrehten Fernsehmoderatorin, die an Gülcan erinnerte, hat Caro Thiebes hervorragend umgesetzt.

Das Stück wurde mit sehr viel Humor gestaltet und oft gab es Szenen, in denen mir vor Lachen die Tränen hinunterliefen, z.B. als meine Familie und ich bemerkten, dass in der Eröffnungsszene wirklich kein Junge auf der Bühne saß und schlief, sondern, dass das meine Schwester war, die man keineswegs wiedererkannte. Auch die Szene, in der die Meerjungfrau das erste Mal auf die Bühne trat, die Szene spielte und ernsthaft versuchte, in Schwimmflossen an den Füßen, genauso schnell, wie ihre Mitspieler, die Bühne zu verlassen. Ein allgemeines Lachen ging während des gesamten Theaterstückes durch die Reihen, wenn Theresa Klose, die die Mutter der Töchte spielte, uns wohlbekannte Sätze wie “Als ich in eurem Alter war”, sagte und dann ein 5 Minuten Vortrag darüber kam, dass damals alles anders war.Die 2 Wahrsager-Zwillinge

Sehr amüsant waren auch die Zwillings-Wahrsager, die dem Soldaten die Ratschläge erteilten. Denn die Beiden fingen immer an zu reden, stoppten mitten im Satz und sagten: “Wir reden nur für Geld…”. Die Beiden sahen sich soetwas von ähnlich und redeten so unheimlich synchron, dass es fast schon unreal herüberkam.

Der Gesamteindruck des Theaterstückes, der durch die Harmonie von Kostümen, Kulissen und Humor entstand, ist ein bleibender Eindruck: Denn auch, wenn man manches verbessern könnte, war die Vorstellung für das allererste Mal Theaterspielen extrem gut und sie lässt die Hoffnung zurück, in Zukunft am EMA mehr Theater sehen zu können.

von Juliane Schlüsener

Fotos: Annika Krause

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