Wer war Camille Claudel?
Der gleichnamige Film möchte dieser Frage auf den Grund gehen, die ich mir, bevor ich den Film sah, auch stellen musste.
Am 8. Dezember 1864 wird Camille Claudel in Frankreich geboren und beschließt schon mit 13 Jahren Bildhauerin zu werden. Der Vater fördert seine Tochter stark und so zieht die Familie Claudel nach Paris, wo Camille eine der wenigen Kunstschulen besucht, an der auch Frauen zugelassen sind.
Im Gegensatz zum Vater ist das Verhältnis zur Mutter sehr schlecht. Der erstgeborene Sohn starb im Alter von nur 16 Tagen und so wandte sich die Mutter von Camille ab, da sie sich einen Sohn gewünscht hatte. Auch von Camilles Wunsch Bildhauerin zu werden, ist sie wenig begeistert. Diese Tätigkeit stellt in ihren Augen keinen Beruf dar.
Zu dem jüngsten Kind der Familie, ihrem Bruder Paul, hat Camille ein harmonisches Verhältnis. Er hat den Wunsch Dichter zu werden und die beiden unterstützen und bewundern sich gegenseitig.
1885 begegnet die 20-jährige Camille in ihrem Atelier zum ersten Mal dem 42-jährigen Bildhauer Auguste Rodin, der sie künstlerisch beraten soll. Eine für Camille verhängnisvolle Beziehung mit Rodin beginnt. Sie wird die Geliebte des Bildhauers und steht Modell für ihn. Sie ist seine Muse und inspiriert ihn, allerdings profitiert nur Rodin aus ihrer Zusammenarbeit. Während er Anerkennung und Bewunderung für seine Werke erfährt schafft sie es nicht, sich aus dem Schatten des Meisters zu lösen.
Als Camille von ihm schwanger wird muss sie feststellen, dass Rodin nicht vorhat, sie zu heiraten und sich für seine Lebensgefährtin entscheidet. Camille verliert das Kind und trennt sich 1898 endgültig von Rodin. Sie kämpft um Anerkennung und Unabhängigkeit, kann sich aber nicht vollständig von Rodin lösen.
Die Bildhauerin kommt alleine nicht zurecht. Sie gerät in eine finanzielle und emotionale Krise, ist dem Alkohol zugetan und leidet unter Verfolgungswahn. In einem Anfall von Wut zerstört sie ihre eigenen Skulpturen und vereinsamt nach und nach. Ihr Vater ist enttäuscht von seiner Tochter und wendet sich Paul zu, der inzwischen ein angesehener Dichter und Diplomat ist.
Nach dem Tod des Vaters liefern Paul und Camilles Mutter sie in eine Irrenanstalt ein, in der sie die letzten 30 Jahre ihres Lebens vergessen und abgeschieden von der Außenwelt verbringt.
Als seine Schwester in die Anstalt überwiesen wird, sagt Paul:
All jene wunderbaren Gaben, die die Natur ihr verliehen hatte, haben nur in ihr Unglück geführt! Es ist nicht zu leugnen, dass meine Schwester nach leidvollem Leben vollkommen gescheitert ist.
Die Entwicklung der Hauptfigur von der begabten und genialen Frau, dei weiß, was sie in ihrem Leben erreichen will hin zu ihrem tragischen Ende ist bedrückend und macht ihn zu keinem leichten beziehungsweise leicht verdaulichen Film.
Camille war ein Genie ihrer Zeit und ist 30 Jahre lang vergessen worden. Auch eine angemessene Grabstätte wurde ihr verwehrt. Erst das 1981 uraufgeführte Stück “Une femme” von der Theaterregisseurin Anne Delbée machte wieder auf die Künstlerin aufmerksam.
1984 veröffentlichte Paul Claudels Enkelin eine Biographie Camilles, was in ihrer Familie bis dahin ein Tabu war. Sie half bei dieser preisgekrönten Künstlerbiographie mit Isabelle Adjani und Gérard Depadieu in den Hauptrolen mit. Die schauspielerische Leistung der beiden ist enorm. Der Film lebt nur von den Beziehungen der Figuren – und besonders der beiden Hauptfiguren- untereinander. Die Beziehung von Claudel zu ihrer Mutter, die sie nicht wollte, zu ihrem Vater, der sich von ihr abwandte und schließlich das fatale Verhältnis von Camille zu Rodin haben wohl schließlich zu ihrem tragischen Ende geführt.
Auch die Kameraführung macht die Biographie durch Bilder, die wie gemalt wirken, zu etwas Besonderem, allerdings ist es an manchen Stellen schwer, der Handlung zu folgen, da Szenen vorhanden sind, die man ohne Hintergrundwissen für überflüssig oder für die Handlung unwichtig empfinden würde.
Camilles Rolle ist allerdings nicht nur als tragisch anzusehen, sondern auch als ein Vorbild. Sie kannte ihre Bestimmung und war sich ihrer Fähigkeiten bewusst. Sie setzte sich mit dem Wunsch Bildhauerin zu werden, durch und war so ihrer Zeit, in der Tee-Gesellschaften noch ein Symbol für Weiblickeit waren, weit voraus. Sie schuf einige der wichtigsten Skulpturen ihrer Zeit.
Camille wird im Film von einem Nachbarsjungen gefragt:
Woher wusstest du, dass es im Innern des großen weißen Steins Leute gab?
Lydia Reisch









