“Der große Gatsby” am Bonner Theater

Geschrieben von l.reisch Feb 19th, 2012 und gespeichert unter Theater, Theater. Erhalten Sie alle Kommentare über RSS 2.0. Hinterlassen Sie zu diesem Eintrag eine Nachricht

Kälte statt echter Emotionen

Die Vorlage für das neue Stück am Bonner Theater ist der gleichnamige Roman von F. Scott Fitzgerald, der einen Einblick in das New Yorker Leben der Goldenen Zwanziger bietet, in dem Oberflächlichkeit und Vergnügungssucht herrschen. Lothar Kittstein verlagert diese Thematik in die Gegenwart.

Der Zuschauer gewinnt gemeinsam mit Nick Carraway (Birger Frehse), einem jungen aufstrebenden Investmentbanker aus gutem, aber nicht sehr reichem Hause, Einblicke in eine Welt, in der Geld die Hauptrolle spielt. In seinem Viertel wohnen die Superreichen, die ihren Reichtum geerbt und mit dem Gewinn des Erbes jede Moralvorstellung verloren haben. Sein Nachbar Jay Gatsby (Hendrik Richter), über den jede Menge Gerüchte im Umlauf sind, bewohnt allein eine riesige Villa. Auf einer der vielen berauschenden Partys, für die Jay berühmt ist, wird der Grundstein für eine Männerfreundschaft zwischen den beiden gelegt. Nick erfährt, dass Jay seit Jahren unglücklich in Nicks Cousine Daisy Buchanan (Nina Tomczak) verliebt ist, die auch in der Gegend wohnt und mittlerweile mit dem untreuen und gewalttätigen Tom Buchanan (Falilou Seck) verheiratet ist. Jay hatte Daisy früher heiraten wollen, doch er konnte ihr mangels Geld nicht den Lebensstandard bieten, den sie gewohnt war. Nun soll ein Treffen zwischen den beiden arrangiert werden, bei dem Gatsby seiner Angebeteten sein Eigentum präsentieren kann.

Schon die Bühnengestaltung lässt erahnen, dass das Stück auf das Wesentliche reduziert wurde. Zu sehen ist eine kahle Bühne mit einem Hohlkörper aus Glas in der Mitte, der mal als Isolierung, mal als Pool dienen soll. Es schlägt einem Schlichtheit und distanzierte Kälte entgegen, die auch im Verlauf des Stücks nicht verschwinden will. Der einzig sympathische Charakter ist Nick Carraway, der stets höflich und brav daherkommt, aber im Prinzip keine größere Aufmerksamkeit auf sich zieht, obwohl er den Zuschauer durch das Stück lenkt. Jay Gatsby bleibt während des ganzen Abends undurchsichtig. Die nicht nachvollziehbare Liebe zu der verwöhnten Daisy verleiht ihm außerdem eine gewisse Naivität. Die restlichen Charaktere zeigen Eigenschaften wie Neid, Brutalität, Untreue, Häme und Gehässigkeit. Identifizieren kann man sich hier mit niemandem, aber das soll wohl auch nicht die Absicht der Inszenierung sein. Die Figuren können uns immerhin vor Augen führen, was außer Langeweile noch übrig bleibt, wenn der Reichtum erst einmal überhandgenommen hat. Immerhin gelingt es den Schauspielern jeder Figur eine andere Nuance und Individualität zu verleihen.

Gefühle oder Handlungen werden meist nur angesprochen, fast erklärt. Die berauschenden Partys bleiben aus, man erfährt nur durch die Äußerungen der Figuren, dass hier wohl gerade eine große Feier stattfindet. Ereignisse wie die Ermordung Gatsbys werden nur in einem Nebensatz erwähnt und der Zuschauer läuft Gefahr zu verpassen, was gerade passiert ist. Das Motto scheint “Dialoge statt Visualisierung” zu sein. Auch zwischenmenschliche Beziehungen wie das Verlangen Gatsbys nach Daisy werden in kitschigen Monologen geschildert, doch die Emotionen bleiben vom Zuschauer unempfunden.

Lydia Reisch

Termine:

22.02.12, 19:30 bis 21:00 Uhr, Halle Beuel

04.03.12, 19:30 bis 21:00 Uhr, Halle Beuel

27.03.12, 19:30 bis 21:00 Uhr, Halle Beuel

03.04.12, 19:30 bis 21:00 Uhr, Halle Beuel

08.04.12, 19:30 bis 21:00 Uhr, Halle Beuel

10.04.12, 19:30 bis 21:00 Uhr, Halle Beuel

12.04.12, 19:30 bis 21:00 Uhr, Halle Beuel

16.04.12, 19:30 bis 21:00 Uhr, Halle Beuel

26.04.12, 19:30 bis 21:00 Uhr, Halle Beuel

Weitere Informationen:

www.theater-bonn.de

Kategorien: Theater, Theater
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